Einleitung
Kaum ein Hundebesitzer bleibt von ihnen verschont: den unschönen Tränenstreifen unter den Augen ihres Vierbeiners. Diese rötlich-braunen Verfärbungen wirken oft harmlos, können jedoch auf gesundheitliche oder pflegerische Probleme hinweisen. Wer sie versteht, kann nicht nur das Aussehen seines Tieres verbessern, sondern auch dessen Wohlbefinden fördern. In diesem Artikel erfährst du, wie Tränenstreifen entstehen, was sie bedeuten und welche Maßnahmen wirklich helfen.
1. Was sind Tränenstreifen?
Tränenstreifen sind Verfärbungen im Fell, die vor allem unter den Augen auftreten. Sie entstehen, wenn Tränenflüssigkeit übermäßig abfließt und Pigmente, sogenannte Porphyrine, im Fell oxidieren. Diese eisenhaltigen Substanzen färben das Haar rötlich bis bräunlich. Besonders bei hellen Fellfarben, wie etwa bei Maltesern, Bichon Frisés oder weißen Pudeln, sind Tränenstreifen deutlich sichtbar.
Die Tränenflüssigkeit eines Hundes enthält eigentlich wertvolle Enzyme, die das Auge reinigen. Wenn jedoch ein Ungleichgewicht entsteht – sei es durch anatomische Engstellen, Reizungen oder Allergien – fließt zu viel Flüssigkeit ab. Das Resultat sind dauerhafte Verfärbungen, die nicht nur kosmetisch störend sind, sondern auch auf ein tieferliegendes Problem hindeuten können.
2. Anatomische Ursachen von Tränenstreifen
Bei vielen Hunderassen sind Tränenstreifen eine Folge ihrer Kopfform. Kurzköpfige (brachyzephale) Rassen wie Möpse, Shih Tzus oder Pekinesen haben oft enge oder gekrümmte Tränenkanäle. Dadurch kann die Tränenflüssigkeit nicht korrekt abfließen und sammelt sich am Augenwinkel.
Auch ein zu dichter Haarwuchs rund um die Augen kann die Situation verschlimmern. Wenn Haare ständig auf der Hornhaut reiben, reagiert das Auge mit vermehrtem Tränenfluss. Ebenso führen verdrehte oder nach innen wachsende Wimpern (Trichiasis) zu Reizungen, die wiederum Tränenstreifen begünstigen.
Ein Tierarzt kann mithilfe eines Fluoreszein-Tests überprüfen, ob der Tränenkanal durchlässig ist. Bei anatomischen Engstellen kann ein kleiner Eingriff helfen, die Situation dauerhaft zu verbessern.
3. Gesundheitliche und äußere Einflüsse
Neben anatomischen Gründen gibt es viele äußere Faktoren, die Tränenstreifen begünstigen. Zu den häufigsten zählen:
- Allergien: Pollen, Staub oder Futterbestandteile können eine Überreaktion der Schleimhäute auslösen.
- Infektionen: Bakterielle oder Hefepilz-Infektionen im Augenbereich führen zu verstärktem Tränenfluss.
- Zahnprobleme: Entzündungen im Maul- oder Kieferbereich beeinflussen oft auch die Tränengänge.
- Wasserqualität: Ein hoher Mineralgehalt im Trinkwasser kann die Porphyrinbildung verstärken.
- Stress: Auch hormonelle Veränderungen und Stress können sich indirekt auf den Tränenfluss auswirken.
Wer Tränenstreifen langfristig reduzieren will, sollte daher nicht nur äußerlich reinigen, sondern die Ursache im Organismus suchen.

4. Richtige Pflege bei Tränenstreifen
Die tägliche Pflege ist entscheidend, um Tränenstreifen zu kontrollieren oder zu vermeiden. Ein paar einfache, aber konsequent angewandte Schritte helfen bereits:
- Tägliche Reinigung: Verwende ein weiches, fusselfreies Tuch und lauwarmes Wasser oder eine milde, augenfreundliche Reinigungslösung.
- Trocknen: Feuchtigkeit begünstigt Bakterienwachstum. Deshalb sollte der Bereich nach der Reinigung gut getrocknet werden.
- Fellpflege: Kürze überlange Haare um die Augen regelmäßig. Das reduziert Reibung und verhindert, dass Tränenflüssigkeit ins Fell sickert.
- Augenpflegeprodukte: Es gibt spezielle Pflegepads oder Gels, die Porphyrine binden und Verfärbungen mildern können – allerdings nur, wenn keine medizinische Ursache zugrunde liegt.
Wichtig: Hausmittel wie Zitronensaft, Essig oder Wasserstoffperoxid sind tabu. Sie reizen die empfindliche Haut und können Entzündungen verursachen.
5. Ernährung und innere Balance
Die Ernährung spielt bei Tränenstreifen eine größere Rolle, als viele glauben. Ein hochwertiges, ausgewogenes Futter ohne künstliche Farbstoffe und Zuckerzusätze kann den Tränenfluss normalisieren.
Einige Hunde reagieren empfindlich auf Getreide, Rind oder Huhn – ein Futterwechsel auf hypoallergene Proteine wie Lamm, Fisch oder Insekten kann dann helfen. Ergänzend unterstützen Omega-3-Fettsäuren und Zink die Hautgesundheit und reduzieren Entzündungsreaktionen.
Auch das Trinkwasser sollte beachtet werden. Hartes, mineralstoffreiches Leitungswasser kann Porphyrinbildung fördern. Gefiltertes oder stilles Wasser ist oft die bessere Wahl.
6. Wann ein Tierarztbesuch notwendig ist
Nicht jeder Fall von Tränenstreifen ist harmlos. Wenn die Augen gerötet, geschwollen oder verklebt sind, sollte ein Tierarzt aufgesucht werden. Auch ein plötzlich verstärkter Tränenfluss, begleitet von Juckreiz oder Kopfschütteln, kann auf eine ernsthafte Ursache hinweisen.
Der Tierarzt untersucht dann Tränenproduktion, Kanalverlauf, Augenlider und Hornhaut. Mit einfachen Tests kann er feststellen, ob die Ursache allergisch, infektiös oder anatomisch bedingt ist. Eine gezielte Behandlung – beispielsweise mit antibiotischen Salben, Antihistaminika oder kleinen chirurgischen Korrekturen – bringt meist schnelle Besserung.
7. Langfristige Prävention und Pflegegewohnheiten
Wer Tränenstreifen dauerhaft vermeiden möchte, sollte auf eine Kombination aus Pflege, Ernährung und Umweltkontrolle setzen. Hier einige bewährte Tipps für den Alltag:
- Halte die Augenpartie stets sauber und trocken.
- Prüfe regelmäßig, ob Haare ins Auge wachsen.
- Achte auf eine konstante Luftfeuchtigkeit, um Reizungen zu vermeiden.
- Verwende Futter mit hohem Fleischanteil und ohne synthetische Zusätze.
- Kontrolliere regelmäßig den pH-Wert und die Zusammensetzung des Trinkwassers.
- Lasse die Augen mindestens einmal jährlich tierärztlich überprüfen.
Konsequente Pflege zahlt sich aus – das Fell bleibt hell, die Haut gesund und die Augen strahlend.
8. Mythen rund um Tränenstreifen
Im Internet kursieren zahlreiche Tipps und Hausmittel gegen Tränenstreifen, doch nicht alles davon ist sinnvoll. Viele Produkte versprechen schnelle Ergebnisse, arbeiten aber mit reizenden Inhaltsstoffen oder Antibiotika, die nur vorübergehend wirken.
Ein verbreiteter Irrglaube ist, dass bestimmte Nahrungsergänzungen Tränenstreifen „von innen heraus“ bleichen. In Wahrheit verändern sie oft nur die Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit, was wiederum andere Probleme verursachen kann.
Der beste Weg ist stets ein ganzheitlicher Ansatz: Ursachen erkennen, Reize vermeiden, regelmäßig pflegen und auf Qualität bei Futter und Wasser achten.
9. Fazit – gesunde Augen, schönes Fell
Tränenstreifen sind mehr als nur ein kosmetisches Problem. Sie sind ein sichtbares Zeichen für ein Ungleichgewicht im Augenbereich oder im gesamten Organismus. Wer die Ursachen versteht und gezielt handelt, kann die Verfärbungen dauerhaft minimieren und gleichzeitig die Augengesundheit seines Hundes verbessern.
Mit Geduld, konsequenter Pflege und der richtigen Ernährung lässt sich das Problem meist gut in den Griff bekommen. Ein sauberes, strahlendes Fell ist dann nicht nur schöner anzusehen, sondern auch Ausdruck von Gesundheit und Wohlbefinden.

